Modernste Spitaltechnik – übervolle Wartezimmer – hochkompetente, respektvolle Menschen – skurrile Hotels – Autobahnen, die keine sind – eine Inspektionstour im Dienste von reisenden Menschen, die medizinische Hilfe in Indien brauchen und sich auf Marco Polo, die Spitaldatenbank von Mondial Assistance verlassen.
Tagebuch Teil 5:
Mysore, 11./12.2.2010
Älteres Spital und ältere Paläste – wundervoll
Der Chefarzt kürzt seine Visite ab und widmet sich unseren Aufgaben. Das Spital ist älter, doch sehr gut organisiert und sehr sauber. Es gibt nichts auszusetzen.
Ich fahre vorbei an einigen beleuchteten Palästen, sie strahlen eine wunderbare, geheimnisvolle Pracht aus. Leider habe ich keine Zeit, mich etwas mehr der Kultur dieses Landes zu widmen.
Im Flughafen besuche ich spontan das moderne Medical-Center und diskutiere mit dem Dienstarzt. Er interessiert sich für eine Stelle in der Schweiz….
Goa, 12. bis 14.2.2010
Modernste Infrastruktur vs Lazarett-ähnliche Zustände – deshalb Marco Polo
Der Flughafen von Goa ist chaotisch – ich frage mich einmal mehr, wer hier den Überblick behält und warum es trotzdem funktioniert – Antworten darauf finde ich keine.
Leider hat man für mich ein falsches Hotel gebucht. Das Etablissement dürfte in Mitteleuropa nicht als Hotel geführt werden. Am nächsten Morgen werde ich umquartiert, so dass ich den freien Tag einigermassen zufrieden geniessen kann. Ich besuche den Carneval von Goa. Ich stelle fest, dass Goa nicht mit dem Rest von Südindien zu vergleichen ist. Die Autos grösser und teurer, die Leute eher westlich gekleidet, der Lebensrhythmus (senedade) eher mediterran-lässig, ansonsten eher diszipliniert-englisch. Der Verkehr ist heute unbeschreiblich dicht… endlich schaffen wir es an die Hauptstrasse zum Umzug. Bunt, laut, Menschenmassen, Kabel hängen lose zwischen den Wagen. Eine Person sitzt auf dem Fahrzeug und reguliert die Länge des Kabels… Das, wie vieles andere, improvisiert….
Am nächsten Tag Ankunft im fast ausgestorbenen Apollo Victor Hospital – das Referenzspital in Goa. Perfekt geführt und sehr sauber. Hochqualifizierte Ärzte. Das zweite Spital ist das Manipal Hospital. Ich finde, es müsste in dieser touristischen Region noch ein zweites Spital auf die Liste kommen.
Was ich im GMC General Medical College – dem öffentlichen Spital von Goa – antreffe, ist schwer beschreibbar (das Spital gehört nicht zu den in Marco Polo geführten Spitälern!). Ich schaue mir den Notfall an. Die Medizin ist sicherlich OK, die Station eine Katastrophe. Es schaut aus wie in einem Kriegslazarett. Hier wird deutlich, warum es Marco Polo braucht!
Es folgt ein kurzer Besuch bei EMRI (108).

Ein Hightech Callcenter, entspricht dem Standard unserer 144-Notfallzentrale, mit genialer Innenarchitektur. Hier werden alle Ambulanzen der Region mit höchster Effizienz, GPS-überwacht und disponiert. Die gleiche Organisation findet sich in 16 indischen Bundesstaaten.
Bis zum nächsten Mal
Andrea Vincenzo Braga
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Modernste Spitaltechnik – übervolle Wartezimmer – hochkompetente, respektvolle Menschen – skurrile Hotels – Autobahnen, die keine sind – eine Inspektionstour im Dienste von reisenden Menschen, die medizinische Hilfe in Indien brauchen und sich auf Marco Polo, die Spitaldatenbank von Mondial Assistance verlassen.
Tagebuch Teil 4:
Madurai. 7. bis 8.2.2010
Essen am Boden – Düfte – Kerzen – Menschenmassen im Tempel
vs
Feinstes Apollo Hospital Madurai
Bevor ich das einzig zu auditierende Spital in Madurai besuche, nimmt mich mein Fahrer mit zum berühmten Tempel von Meenaksi. Bisher hatte ich keine Zeit für Kultur – schade!
Der Tempel ist imposant, seine Türme sind riesig! Das Innere betrete ich ohne Schuhe.
Massen von Menschen werfen sich vor den Statuen zu Boden, schmieren farbigen Puder darauf und vollführen mir unverständliche Rituale. Ganescha, Vischnu, Brahma, alle sind da. Heilige Elefanten segnen Gläubige. Ein Schamane singt über eine Lautsprecheranlage Mantras in den ganzen Tempel, Familien sitzen und Essen am Boden. Düfte, Kerzen, Menschenmassen…
Das Apollo Hospital Madurai ist topschick und hochmodern. Kompetenz der Menschen auch in dieser Ecke von Indien.
Bangalore 8. bis 11.2.2010
Kein Infektionsrisiko bei Gesichtsoperation trotz Schurrbart
Der Flughafen ist neu und modern, die Nachtruhe erneut gestört. Der nächste Tag ist mit drei Spitalbesuchen ausgebucht, es soll noch eines dazukommen. Glücklicherweise weiss ich, wofür ich das mache – damit Patientinnen und Patienten am richtigen Ort behandelt werden können, wenn sie Mondial Assistance in Anspruch nehmen müssen.
In einem der Spitäler wohne ich der Operation einer komplizierten (LeFort III) Mittelgesichtsoperation bei. Der Kieferchirurg wurde acht Jahre in London ausgebildet. Er benutzt indische Titan-Platten, die einen Bruchteil der Synthes-Teile kosten. Übrigens wird der Schnurrbart, wie auch andere Haare, in Indien nicht abrasiert. Interne Studien zeigten keine höhere Infektionsrate mit Schnurrbart….
Sehe ich nach vier Spitälern etwas mitgenommen aus? Jedenfalls werde ich von einer der Kliniken in Bangalore zu einem Full-Medical Check-up eingeladen – ich nehme dankend an. Für 15 Kilometer zurück zum Hotel brauchen wir eineinhalb Stunden.
Der nächste Tag scheint etwas ruhiger. Im ersten Spital werde ich vom Sales Vice President empfangen (diese Funktion in einem Spital – warum nicht?) Die Visite ist durchorganisiert, ich sehe alles, inkl. der Dentalabteilung.
Das St. John’s Medical Collage ist ein riesiges Areal! Der Eindruck ist gut, stark auch universitär geprägt, alles ein wenig alt, auch die sehr sauberen Zimmer. Die Krankenschwestern tragen übrigens in fast allen Spitälern Häubchen, Schürze und weisse Strümpfe:

Die Ärzte meist in Krawatte und Hemd, alle mit Stethoskop um den Hals. Die Ärztinnen oft Saris, wie die vielen Sekretärinnen auch.
Am nächsten Tag steht der Medical Check-up an:

Die Behandlung ist königlich, alles andere wäre untertrieben. Eine grosse Suite, zwei Krankenschwestern und die Assistentin des Medical Directors managen alles. Blutabnahme, Gewicht, Grösse, Frühstück, dann kommen alle technischen Untersuchungen, Röntgen, EKG, Belastungs-EKG, Ultraschall, Herz ECHO. Dazwischen Entspannung auf dem Massagestuhl. Hervorragend organisiert. Die Techniker bringen die Geräte und schliessen sie an, die Ärzte machen die Untersuchung und sind innert Minuten wieder weg. Sehr effizient. Am Schluss kommt ein Internist und bespricht die Resultate mit mir.
Auf der nächsten Etappe wird unser Auto ohne Vorwarnung samt Fahrer beschlagnahmt. Anscheinend wurden Kreditraten vom Fahrzeug durch die Tour Agentur nicht bezahlt und die Bank liess das Fahrzeug annektieren. Muss das sein? Ich stehe in der Sonne auf einem abgesperrten Parkplatz. Es wird hektisch telefoniert. Werde informiert, dass „bald“ ein Ersatzfahrzeug kommt, was nach zwei Stunden auch eintrifft. Es gibt nichts, was es nicht gibt, denke ich mir und behalte stoische Ruhe – ich versuche es zumindest. Schliesslich habe ich im Spital in Mysore meinen nächsten Termin, Menschen warten auf mich.
Bis zum nächsten Mal
Andrea Vincenzo Braga
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Tagebuch Teil 3:
Chennai (Madras), 4. bis 6.2.2010
Wiege der Apollo-Spitalgruppe – Offensive gegen das marode öffentliche Gesundheitswesen Indiens
Das Hotel Rhada Regent ist wunderbar – ich geniesse erstmals indische Weine, ein bisher für mich unbekanntes “Terrain”, aber von ausgezeichneter Qualität.
Ich besuche die Wiege der Apollo-Spitalgruppe in Chennai. Menschenmassen füllen den Eingangsbereich. Man feiert den Geburtstag des Apollo-Gründers und Präsidenten, Dr. Prathap C. Reddy, der 1983 dem maroden öffentlichen Gesundheitssystem mit privaten Spitälern, mit hervorragend ausgebildeten Ärzten und modernster Medizinaltechnik entgegen trat. Der Erfolg ist beachtenswert. Man führt sogar eine eigene (integrative) Krankenversicherung mit der Munich-Gruppe – sie ist der Ursprung der privaten Krankenversicherung in Indien.
Das Spital ist sehr gut ausgestattet, emsiges Treiben – und ich frage mich, wie hier alle den Überblick behalten. Der Head of International Affairs ist professionell, der beigezogene Medical Superintendant ist Herzchirurg – er kommt nächstens an den Jahreskongress der SGTHGC in die Schweiz. Auch für Mediziner ist die Welt klein.
Das nächste Spital ist klein und vom Feinsten. Die Wache posiert im Schottischen-Garde-Look mit glänzend weissen Stulpen. Im Umkleideraum zum OP treffe ich auf einen Neurochirurgen, welcher mich mit „Grüezi“ begrüsst. Er war ein Jahr im Balgrist – schon wieder “kleine Welt”. Einige Teile des Spitals sind eher einfach, aber alle sehr gut unterhalten und sauber.
Der indische Fahrer, welcher das nächste Spital offenbar nicht genau kennt, traut meinem GPS nicht – Argwohn gegenüber modernster Technik in einem Land, in dem Software am Fliessband programmiert wird? – er ist freudig überrascht, als wir mit Hilfe meiner Technik rechtzeitig im nächsten Spital ankommen.
Von Chennai nach Pondicherry – 145 km in drei Stunden – indischer Fahrstil anderer Art. Meinen netten, aber schweigsamen Fahrer nenne ich still für mich “Anti-Schumacher” – Schalten bei 1700 U/Min – das Gaspedal behandelt er wie ein rohes Ei… Es geht über die noch im Bau befindliche Autobahn. Immer wieder Baustellen, Arbeiterinnen und Arbeiter, welche mit grossen Schüsseln Schutt wegtragen, dann Piste, Schlaglöcher, Ochsenkarren, entgegenkommende Velos… Autobahn?
Das Pondicherry Institute of Medical Science (PIMS) ist ein grosszügiger Campus, etwas von College-Atmosphäre ist zu spüren. Überall hängen Granittafeln mit markigen Lehrweisheiten. Der Chefarzt der Anästhesie empfängt mich am Samstagnachmittag höchst persönlich. Einfacher Komfort, doch äusserst sauber und ordentlich, mit höchster medizinischer Kompetenz.
Eine kleine Privatklinik steht nun auf dem Programm. Empfangen werde ich vom Chef, er ist zugleich Präsident des Französischen Clubs, von François Mitterrand (Foto im Büro) zum Ritter und Ehrenlegionär geschlagen.
Büro und Untersuchungszimmer sind alt, übervoll, etwas schmuddelig. Die Klinik ist recht gut ausstaffiert, die Räumlichkeiten nicht ganz überzeugend. Man ist sich dessen bewusst, ab nächstem Monat sind zwei französische Hygiene-Krankenschwestern angestellt, um die Zustände zu verbessern. Ich darf den Operationssaal, der gerade gereinigt wird, in Strassenkleidung, jedoch ohne Schuhe betreten. Auf meine Frage nach der Infektionsrate bei den Totalprothesen antwortet der Sohn, selbst Orthopäde: “gegen Null”!. Zugegebenermassen hat das kleine Familienspital alles, besuchende Konsulenten aller Spezialitäten, eine Hightech-Ambulanz, 24h-Pharmazie und einen eigenen Strom-Generator – was will man mehr?
Meine Nacht im Hotel ist ein Albtraum aus fehlgeleiteten Weckrufen, lärmenden Gästen und dröhnender Musik.., ich versuche es mit buddhistischer Gelassenheit zu tragen, obwohl ich guten Schlaf nötig hätte – am Morgen geht es früh weiter.
Bis zum nächsten Mal
Andrea Vincenzo Braga
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Modernste Spitaltechnik – übervolle Wartezimmer – hochkompetente, respektvolle Menschen – skurrile Hotels – Autobahnen, die keine sind – eine Inspektionstour im Dienste von reisenden Menschen, die medizinische Hilfe in Indien brauchen und sich auf Marco Polo, die Spitaldatenbank von Mondial Assistance verlassen.
Tagebuch Teil 2:
Hyderabad, 3. bis 4.2.2010
Integrierte Versorgung und Telemedizin schulbuchmässig betrieben
Mein neuer Fahrer bringt mich vom Flughafen ins witzige Amarutha Castle Hotel. Wie ein mittelalterliches Schloss ist es aufgebaut… nur die dröhnende Technomusik aus der Disko im ersten Stock will nicht ganz dazu passen. Ein herzhaftes Frühstück muss sein, der enge Zeitplan lässt kein Mittagessen zu.
Ein weiteres Apollo-Spital steht auf dem Programm. Die Aufnahme ist übervoll, die Innenarchitektur leicht renovationsbedürftig, aber in Ordnung. Am anderen Ende des Ganges erwartet mich eine Oase aus Marmor und stilvoller Ambiance, die Platinum Lounge. Der Gründer der Apollo-Spitäler, Dr. Reddy, ist ein Genie mit höchster Hingabe. Der Direktor für das internationale Geschäft empfängt mich, der Fragebogen ist rasch und präzise abgearbeitet. Das Haus lässt keine Wünsche offen. Die Notfallstation ist äusserst effizient, mit eigenem Ambulanzpark. Geführt von einem international ausgebildeten Arzt.
Integrierte Versorgung wird gelebt: in der Diabetesabteilung arbeitet ein Ernährungsberater, ein Optiker, ein Orthopäde mitsamt Spezial-Schuhladen… kann die Schweiz da nicht noch etwas lernen?
Das neue Onkologiezentrum wird in drei Monaten eröffnet. Draussen schleifen die Steinmetze, im Innern programmieren die Spezialisten das modernste Cyberknife. Vor der Radioonkologie sind Blumen- und Früchteopfer zu sehen. Ein Schamane vollführt eine spirituelle Handlung – übrigens wird auch vor jeder Operation kurz zusammen gebetet. Es fehlen weder das neuste höchstauflösende CT-Gerät (Computer-Tomograph) noch ein MRI (Schichtröntgen),
Im Care Hospital ist die Anzahl der behandelten Patienten unglaublich hoch. Der Medizinische Direktor ist ein international bekannter Kardiologe und sieht pro Tag 130 Patienten, dazu werden täglich 45 Interventionen im Herzkatheterlabor durchgeführt. Ich treffe auf einen schwedischen Arzt, der zum Lernen hier ist. Bereits nach wenigen Tagen erstaunt mich dies nicht mehr.
Telemedizin inmitten von Südindien. Im Departement für Telemedizin werden seit 2002 systematisch Fernuntersuchungen für die Peripherie durch Spezialisten angeboten. Vor allem Teleradiologie und Telekardiologie. Es werden sogar Herzultraschalls (Echocardiographien) fern beurteilt. Sie haben auch extensive Studien zur Konnektivität durchgeführt und festgestellt, das 256/Baud genügen für eine gute Untersuchungsqualität. Alles in allem eine sehr hohe Qualität. Die unschönen Äusserlichkeiten werden in den nächsten Monaten renoviert.
Hyderabad ist bekannt für seine Perlen – meine Frau wird sich freuen!
Die Schnellstrassen, so genannte Skywalker, die in vielen indischen Grossstädten auf Pfeilern über den verstopften Strassen gebaut sind, machen die Fahrt zum Flughafen angenehm und überraschend rasch.
Bis zum nächsten Mal
Andrea Vincenzo Braga
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Modernste Spitaltechnik – übervolle Wartezimmer – hochkompetente, respektvolle Menschen – skurrile Hotels – Autobahnen, die keine sind – eine Inspektionstour im Dienste von reisenden Menschen, die medizinische Hilfe in Indien brauchen
Namaste liebe Blogleserinnen, liebe Blogleser
Im Februar habe ich Ihnen von den ersten Eindrücken meiner Indienreise berichtet – eine Reise in ärztlicher Mission notabene. Geniessen durfte ich dann auch die anschliessenden Ferien auf Goa mit meiner Familie.
Für mich ist die Reise Vergangenheit – meine Eindrücke teile ich mit Ihnen – ab heute finden Sie hier während der kommenden Wochen Auszüge aus meinem Tagebuch als reisender Arzt in Indien.
Marco Polo ist die Spitaldatenbank von Mondial Assistance. Ich auditierte 22 Spitäler und medizinische Einrichtungen in Südindien. Marco Polo dient als Entscheidungsgrundlage der Mondial-Ärzte und Assistance-Mitarbeitenden weltweit. Kann ein Patient mit seinem Leiden in einem lokalen Spital behandelt werden, wenn ja in welchem, muss er ins benachbarte Ausland gebracht werden, ist sogar eine Repatriierung in die Schweiz notwendig? Antworten auf solche Fragen gibt Marco Polo. Die Datenbank enthält Informationen über Infrastruktur, Kompetenz des medizinischen Personals, Einbindung ins lokale Rettungsnetz, Labormöglichkeiten u.v.a.m. Marco Polo wird zuverlässig geführt – es hängen Leben daran. Deshalb werden die rund 1’360 medizinischen Einrichtungen alle zwei Jahre kontrolliert.
Hier nun ein Auszug aus meinem Tagebuch aus einem Land, in dem Krankenschwestern respektvoll “Sisters” und nicht “Pflegefachfrauen” genannt werden und Ärzte “Doctors” und nicht “Leistungserbringer” sind – die meisten von ihnen sehr gut ausgebildet und hochkompetent.
Mumbai 1. bis 3. Februar 2010
Spitäler lassen keine Wünsche offen – ansonsten: funktionierendes Chaos
Bombay – oder Mumbai – heiss – 30 Grad, Menschenmassen, hier Hochhäuser, dort schlafende Menschen auf der Strasse, Hektik auch um 23 Uhr – es funktioniert – irgendwie, kontrovers, fremd und herzlich, farbig und trostlos zugleich, Schmerz und Freude von 18 Millionen Menschen. Uralte Fiat-Taxis, Vespa-Rikschas, Handkarren… Alle kommen in einem in diesem Chaos aneinander vorbei. Dauergehupe, doch keine unfreundliche Geste, an Fahrspuren und Lichtsignale hält sich niemand. Auf den Trottoirs, wird alles feilgeboten, frisiert, rasiert, geheilt, Handgelesen – ich bin verwundert, bewundere und frage nicht, warum es funktioniert.
Das erste Spital meiner Reise und ein erstes Mal minutiös das Protokoll ausfüllen und in die Datenbank laden für Marco Polo. Mein Fahrer – ohne Fahrer wäre eine solche Inspektionstour unmöglich – führt mich in DAS Spital für VIPs. Empfangen werde ich, wie fast überall, vom Top-Management – vom CEO, vom verantwortlichen External Affairs und vom Marketing-Verantwortlichen. Sie führen mich durch das Spital – ich bin beeindruckt, die medizinische Qualität lässt keine Wünsche offen. Viele Departemente werden von Frauen geführt, hochqualifiziert. Unglaublich, wie viel Personal hier arbeitet. Sie sind höflich und wirken sehr professionell. Worüber ich mich am meisten wundere: Unzählige Menschen befinden sich geduldig, ohne Hektik, in den Warteräumen! Ein Stück Gelassenheit möge sich manch ungeduldiger Patient in der Schweiz abschneiden…. Auffallend – überall Security Guards. Das nächste Spital – eines aus der Apollo-Gruppe, der grössten privaten Spitalkette in Indien – ist hervorragend. Es ist international zertifiziert und stünde in der Schweiz an der Spitze. Das Spital ist Ausbildungsspital, mit einem strengeren Curriculum als es die Uni bieten mag. Das gilt übrigens für fast alle Privatspitäler, für Ärzte wie auch für Schwestern und Techniker. Hier werde ich vom CEO empfangen. Medizin ist hier ein Wirtschaftszweig und keine Kostenstelle. Medizin-Tourismus ein Wachstumsmarkt, dem höchste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ein gewissenhaftes Auditieren braucht Zeit. Wie erwartet kommt es schon hier zu Verzögerungen, mein ausgeklügelter, knapp bemessener Zeitplan droht aus den Fugen zu geraten – bereits in den ersten Tagen. Aber dank Organisationstalent gelingt es, auch die restlichen Spitäler in Mumbai zu besuchen.
Bis zum nächsten Mal
Andrea Vincenzo Braga
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Namaste sehr geehrte Leserin,
Namaste sehr geehrter Leser,
Vor zwei Wochen durfte ich Euch von meinen ersten Eindrücken aus Bombay und Chennai berichten. 14 intensive, lange Tage und 13 kurze Nächte später habe ich 22 Spitäler in 8 Städten evaluiert, kontrolliert, fotografiert, bewertet und die Ergebnisse detailliert dokumentiert. Ich bin positiv überrascht, erstaunt und beeindruckt, etliche Spitäler halten einem Vergleich mit Schweizer Privatspitäler mit Leichtigkeit stand. Erleben durfte ich auch wunderbare Begegnungen mit Menschen, die den indischen Gruss “Namaste” in seiner ursprünglichen, sinngemässen Bedeutung “ich verbeuge mich vor Dir, ich ehre Dich” leben.
Gestern ging meine Mission im Dienste von Mondial Assistance und der Marco Polo-Spitaldatenbank in Südindien zu Ende. Nun geniesse ich gemeinsam mit meiner Familie Ferien. In zehn Tagen nehme ich meine Arbeit bei Medi24 wieder auf. Ein Auszug aus meinem Tagebuch finden Sie dann hier – Zeilen eines reisenden Arztes in ernster Mission aus einem Land, in dem Krankenschwestern respektvoll “Sisters” und nicht “Pflegefachfrauen” genannt werden und Ärzte “Doctors” und nicht “Leistungserbringer” sind – die meisten von ihnen sehr gut ausgebildet und hochkompetent.
Bis bald,
Andrea Vincenzo Braga
Marco Polo – World wide hospital evaluation program
Bisher hat sich dieser Blog mit Telemedizin und Gesundheitspolitik in der Schweiz befasst. Nun mache ich für einmal einen Schritt ins Ausland und nehme Sie mit auf meine Reise zu 20 Spitäler in Südindien – 20 von über 1’300 medizinischen Einrichtungen weltweit, die in der Mondial Assistance-Datenbank “Marco Polo” geführt werden. In meiner Funktion bin ich in ein weltweites Team von Ärzten, welches regelmässig diese Einrichtungen auditiert, eingebunden.
International verbunden
Medi24 ist Telemedizin-Pionier in der Schweiz und international verbunden mit Mondial Assistance, der weltweit führenden Anbieterin von Assistance-Dienstleistungen und Reiseversicherungen. Heute berichte ich aus der Optik der medizinischen Assistance. Über Kranken- und Reiseversicherungen oder Schutzbriefe haben viele Menschen in der Schweiz Zugang zu medizinischer Hilfe im Ausland. Die Glaubwürdigkeit und Qualität solcher Nothilfe hängt von einem weltweiten Netzwerk von medizinischen Einrichtungen ab, die regelmässig vor Ort überprüft werden.
Marco Polo – medizinische Einrichtungen für Reisende
Mussten Sie bereits medizinische Hilfe im Ausland annehmen? Wurden Sie dort in ein Spital eingeliefert? Waren Sie sicher, dass die Infrastruktur in der notwendigen Qualität vorhanden ist, dass das Personal über die erforderliche Kompetenz verfügt, dass Sie keine bösen Überraschungen bezüglich Kostenübernahme erfahren?
Damit Ärzte und Mitarbeitende von Mondial-Assistance jederzeit richtig entscheiden können, gibt es “Marco Polo”. Die Spital-Datenbank enthält über 1’300 Spitäler und medizinische Zentren in rund 150 Ländern, vor allem in Tourismusgebieten, in Flughafennähe und an Orten mit schlechter medizinischer Versorgung. Diese medizinischen Einrichtungen werden mindestens alle zwei Jahre durch einen Arzt aus dem spezialisierten Ärzteteam besucht. Es werden Interviews geführt, es wird evaluiert, fotografiert, kontrolliert, bewertet und die Ergebnisse werden detailliert dokumentiert. So ist gewährleistet, dass Patienten dank der Datenbank “Marco Polo” bei einem Notfall in dasjenige Spital eingeliefert werden, welches auch über die notwendige Infrastruktur und Kompetenz verfügt.
Kostenkontrolle – Betrug identifizieren
“Marco Polo” wird auch intensiv für Cost Containment (Rechnungsprüfung) genutzt. Eine Rechnung aus dem Spital X im Land Y für eine MRI-Untersuchung wird zum Beispiel als Betrug identifiziert, wenn das entsprechende Spital gemäss “Marco Polo” über gar kein MRI-Gerät verfügt. Dies hilft enorm, Kosten zu sparen, welche durch ungerechtfertigte Rechnungen entstehen.
Hoher Aufwand gerechtfertigt
Der Aufwand, “Marco Polo” aktuell zu halten, ist sehr hoch. Die Sicherheit der Patienten rechtfertigt aber diesen Aufwand. Jeder Arzt, der Spitäler besucht, hat ein strenges Programm. Am 1. Februar bin ich in Mumbai gestartet, danach ins Herz von Südindien nach Hyderabad weitergereist, seit gestern bin ich Chennai. Morgen geht es weiter Richtung Süden und später zurück nach Norden. Kein Spaziergang – doch eine wunderbare, sinnvolle Aufgabe, die mir neue An- und Einsichten gewährt.
Bisher habe ich Spitäler mit sehr guter Qualität angetroffen, Ärzte und Krankenschwestern mit sehr hoher Kompetenz und bin Menschen begegnet, die den Wert von medizinischen Einrichtungen schätzen. Mit Mumbai entdeckte ich eine spannende 18-Millionen-Stadt, die in jeder Hinsicht fordert und voller Gegensätze ist! Ja, ganz Südindien ist spannend, pulsierend, kontrovers, vermischt mit asiatischer Gelassenheit im Alltag und geprägt vom Fleiss, Engagement und Herzlichkeit der Menschen. Ich fühle mich stets sehr willkommen und mit Stolz werden mir die Spitäler gezeigt. Ich bin beeindruckt!
Bis bald aus der Hitze in Chennai
Andrea Vincenzo Braga
Route Audits Spitäler in Südindien






















